Wir sind dann mal OFFF-line

Stellen Sie sich vor, Sie sind bei einem Festival: Viele gut gelaunte Menschen aus allen möglichen Ländern rundherum, Lärm, Schweiß, Gedränge und jede Menge Spaß. So kann man sich auch die OFFF vorstellen. Wobei hier nicht die Musik im Zentrum steht, sondern die Kreativität. Mittendrin bei der OFFF waren heuer zwei Kreativlinge von WUAPAA. Unsere beiden Grafik-Experten Tanja und Mihael verraten im Interview ihre Eindrücke.

Tanja und Mihael, ihr habt vor kurzem die OFFF in Barcelona besucht – und das schon zum zweiten Mal. Was fasziniert euch am Festival?
Tanja: Mich fasziniert ganz klar die Vielfältigkeit. Die Menschen kommen alle zwar aus der Kreativbranche – aber eben aus verschiedensten Arbeitsgebieten, Ländern und Lebenslagen. Da gibt es super bekannte Leute ebenso wie Menschen, die schon seit Jahren in kleinen Zimmern in New York leben und versuchen, endlich ganz nach oben zu kommen.
Mihael: Ich finde es faszinierend, wieviele unterschiedliche Disziplinen aufeinandertreffen und sich dann vor Ort so gut ergänzen – von Video über Grafik und Illustration bis hin zu Webdesign.
Tanja: Was bei der OFFF auch ganz besonders ist: Die Leute werden immer eingebunden, und wenn es ein Lied ist, das man gemeinsam singt.

Wofür steht eigentlich OFFF?
Mihael: Der Name kommt von Online-Film-Flash-Festival. Jetzt gilt diese Definition natürlich nicht mehr.
Tanja: Flash war in den 90er Jahren ja noch der Renner. Wenn der OFFF-Gründer heute darauf angesprochen wird, ärgert er sich darüber. Deshalb haben sie heuer die OFFF mit verschiedenen Akronymen aufgebaut, die aber keinen Sinn ergeben.
Mihael: Und im offiziellen Video zum Event wusste keiner, was „OFFF“ tatsächlich bedeutet.

Das heißt der Name hat sich mittlerweile selbst überlebt. Welche anderen Trends im Grafikbereich konntet ihr entdecken?
Mihael: Trends sind kurzlebig, wirklich gutes Design ist zeitlos.
Tanja: Das ist wie in der Mode. Wobei natürlich gibt es ein paar Aha-Erlebnisse für uns.
Mihael: Videos werden jetzt überall eingesetzt, beispielsweise werden Illustrationen nachträglich zu GIFs umgestaltet, um sie auf der FB-Seite entsprechend zu präsentieren. Was wir auch neu entdeckten, sind Lo-fi-Projekte. Diese werden an einem Tag gemacht. Mit einfachsten Mitteln werden einfachste Videos gedreht.

Tanja: Da wird eher mit Handarbeit gearbeitet, statt mit Animationen.

Mihael, ihr habt einen Vortrag von Stefan Sagmeister besucht, warum hat er dich beeindruckt?
Mihael: Stefan Sagmeister hat angefangen, bei Tibor Kalman in Hongkong zu arbeiten. Und er hat da vieles aufgesaugt. Beispielsweise lernte er, dass man mit Werbung Leute manipulieren kann. Das kann auch für gute Zwecke sein, um gemeinsam Positives zu bewirken, wie sich gegen den Krieg einzusetzen. Und Sagmeister stellt dann bei Events wie der OFFF keines seiner Kundenprojekte vor, sondern präsentiert Eigenprojekte wie seinen „The Happy Film“. Seine Ausstrahlung war der Hammer.
Tanja: Mir hat gefallen, dass er so unkonventionell ist. Und mir scheint es, als ob er noch in den 80ern leben würde. Er ist echt zeitlos, ein Performer und gleichzeitig unaufdringlich. Du nimmst ihn als seriös wahr und es scheint, als würde er direkt mit mir reden.
Mihael: Mir gefällt auch, dass man sich von ihm über Instagram direkt Feedback zur eigenen Arbeit holen kann.

Wie stehen Kärnten und Österreich im internationalen Vergleich da?
Mihael: Design ist Design und Prinzipien wie passende Typographie oder Raster bei Screen- und Printdesign sind immer gleich. Gutes Design kann auch schon Jahrzehnte alt sein. Aber: Österreich hinkt den Trends zwei Jahre hinterher. Deshalb sind solche Veranstaltungen ja so wichtig, dass man zeitnah zur Umsetzung kommt.
Tanja: Design ist gut, wenn es einfach und nützlich ist. Der Workflow mit Kunden ist auf internationaler Ebene ein ganz anderer, das kann aber auch kulturell bedingt sein. In den USA ist die Interaktion direkt mit dem Kunden da. Der Kunde wird in das Konzept eingebunden. Bei uns ist das eher oberflächlich.

Tanja, du hast in Deutschland gearbeitet, siehst du auch Unterschiede zwischen den Nachbarländern?
Tanja: Es kommt wirklich alles sehr spät hier an. Und deshalb dauert das Learning relativ lang. Beispielsweise Storytelling versteht man hier in Österreich erst nach fünf Jahren wirklich, dann ist es eh schon vorbei.

Was nehmt ihr für euch mit?
Tanja: Den Workshop „How to present and to sell your Design“ mit Irene von Anton & Irene fand ich toll. Die Anforderungen waren so extrem hoch. In kürzester Zeit musste etwas präsentiert werden. Wir dachten, wie sollen wir das schaffen? Und das mit Kollegen aus anderen Ländern, die man eben erst kennenlernt und die in riesengroßen Konzernen arbeiten! Es ging hier ums Problemlösen. Jeder brachte sich ein und Verbesserungsvorschläge der anderen wurden wertfrei angenommen.
Mihael: Ich nehme die Motivation mit und probiere daheim und in der Firma weitere Sachen. Videoschneiden macht mir jetzt noch mehr Spaß und ich würde es gern noch mehr machen!

Das klingt ja alles super. Ehrlich – gibt’s nix zu bemängeln?
Tanja: Oh doch! Es kommen immer mehr Leute nach Barcelona. Heuer haben die Veranstalter viel zu viele Karten verkauft. Die Leute haben gar nicht mehr reingepasst.
Mihael: Am Freitag sind wir deshalb schon zwei Stunden früher dort gewesen. Zum Schluss war kein einziger Platz mehr frei.

Zum Abschluss: Was gefällt euch an Barcelona?
Mihael: Die Vielfältigkeit und gleichzeitig ist die Stadt ganz bodenständig. Jeder wird gleich behandelt und alle sind gut gelaunt. Was mir noch aufgefallen ist: Es gibt keine klassischen Wochenenden.
Tanja: Man merkt nicht, wer Tourist ist und wer arbeitet. Alle sind sehr entspannt. Die Einheimischen reden uns immer in ihrer Muttersprache an, auch wenn man sie nicht versteht.
Die Kreativszene ist so aufgeschlossen, es gibt keine Regeln. Die machen einfach: beispielsweise einen spontanen Flohmarkt vor der U-Bahnstation – ohne Anmeldung!

Jetzt kommt die OFFF nach Wien.
Tanja: Ich werde sie mir wahrscheinlich ansehen.
Mihael: Ich glaube der Schwerpunkt liegt mehr auf lokalen Vorträgen und Workshops. Ich werde eher nicht hingehen.


Tanja und Mihael im Wordrap:

Barcelona oder Klagenfurt: Barcelona (beide)
Grafik ist Kunst oder Handwerk: Kunst (Tanja), beides (Mihael)
Offf oder offline: Offf (beide)
Print oder Online: Online (Mihael), beides (Tanja)
Paella oder Kasnudel: Kasnudel (Mihael). Das ist gemein – beides (Tanja)